Gestern am Kieler Bahnhof.
Ich war gerade auf dem Weg zu einem Termin und machte einen kurzen Stopp auf der Toilette.
Da stand ein Mann, unscheinbar, ruhig, einer, an dem viele wahrscheinlich einfach vorbeigehen würden.
Ich sagte nur:
„Moin.“
Er schaute mich an und antwortete:
„Schönen guten Tag, junger Mann, schön, dass Sie grüßen.
Das akzeptiere ich und ich respektiere Sie.“
Auf seine Aussage antwortete ich mit: „Klar, Höflichkeit ist das A&O.“
Und dann sagte er diesen Satz:
„Ich habe zwar kein Zimmer und ich bin obdachlos, aber ich muss nicht jeden akzeptieren und respektieren, aber Menschen, die grüßen und freundlich sind, die akzeptiere und respektiere ich.“
Darauf meinte ich: „Da haben Sie Recht, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“
Er erwiderte:
„Vielen Dank, das wünsche ich Ihnen auch, kommen Sie gut nach Hause.“
Dieses Gespräch hat mich den ganzen Tag nicht losgelassen.
Nicht, weil es besonders weise klingen sollte, sondern weil es so klar war.
Dieser Mann hatte keine Wohnung.
Aber er hatte Haltung, er hatte Werte, und er hatte ein feines Gespür dafür, wie Menschen ihm begegnen, weil es für ihn einen Unterschied macht, und das jeden Tag.
Wisst Ihr, wir sortieren Menschen schnell ein.
Nach Kleidung, nach Auftreten, nach Status, nach dem, was äußerlich sichtbar ist, und das meistens, ohne es bewusst zu merken.
Ein einfaches „Moin“ kostet uns nichts.
Aber für jemanden, der täglich übersehen wird, kann genau das sagen:
Ich sehe dich!
Als Mensch!
Mich hat diese Begegnung wieder daran erinnert, dass eine kleine Geste wie ein „Moin“ für einen Menschen viel bedeuten kann.
Vielleicht sollten wir einfach wieder mehr auf unsere Mitmenschen achten, mit offenen Augen durch die Welt gehen, und damit anderen wieder mehr Bedeutung zukommen lassen.
Denn manchmal kann eine Kleinigkeit eine Menge verändern und wenn es nur ist, jemanden ein funken Hoffnung zu geben oder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
